Unsere Arbeitsweise
Nachfolgend soll ein kurzer Überblick über die generelle Arbeitsweise unserer Forschungsgemeinschaft gegeben werden. Gegenstand unserer Arbeit ist die Erforschung bisher unbekannter Fehler auf DDR-Sondermarken, einschließlich deren Klassifizierung (Druckzufälligkeit oder Plattenfehler). Diese Klassifizierung bzw. Erforschung von neuen unbekannten Fehlern erfolgt bei uns über das Medium der PLF-Forschungs-CD, die fortlaufend mit neuen Informationen ergänzt wird. Vor allem geschieht das durch die Sammler und über einen Abgleich mit unserem Bogenarchiv, welches aktuell über 12.000 verschiedene archivierte Briefmarkenbögen beinhaltet.
Auch ermitteln wir bei Aufnahme des Fehlers in unseren PLF-Katalog eine Katalogbewertung, die sich vor allem an der nominalen Seltenheit, der Größe des Fehlers und den Marktbeobachtungen orientiert. Darüber hinaus werden bereits katalogisierte Plattenfehler ständig einer kritischen Überprüfung unterzogen und ggf. Katalog- u. Preiskorrekturen vorgenommen, die auch in Vorschläge an die MICHEL-Redaktion münden. Die Auswahl der Plattenfehler für unsere Kataloge erfolgt hierbei über ein Gremium unserer Forschungsgemeinschaft.
1. Neu entdeckte Fehler auf DDR-Sondermarken
Ausgangspunkt unserer Arbeit ist die Entdeckung neuer, bisher unbekannter Fehler auf DDR-Sondermarken, die uns von Mitgliedern der Forschungsgemeinschaft, aber auch von interessierten Sammlern außerhalb der Forschungsgemeinschaft, vorgelegt werden. Eine weitere Quelle ist der offene und geschlossene Thread im "www.philaform.de". Ebenso bekannte Internet-Plattformen (z. B. Philasearch, eBay, Delcampe usw.), Angebote von Auktionshäusern, Fachhändlern und Beiträge in Zeitschriften werden von uns durchforstet.
Wenn uns neuentdeckte Fehler mehrfach bestätigt wurden, werden sie mit den vorliegenden Erhaltungsgraden und Informationen in die DDR-PLF-Forschungs-CD aufgenommen – siehe Abb. 1. Diese CD ist damit die Basis für forschende Sammler, die mit ihren Meldungen und Bestätigungen zu weiteren Informationen, wie z. B. das betreffende Feld oder eine ermittelte Bogenform oder einen neuen Erhaltungsgrad beitragen können. Diese Ergebnisse werden bei entsprechender Bildvorlage gleich auf dem CD-Bild festgehalten.
Abb. 1: Beispiel-Forschungs-CD und daneben ein Bild aus der Forschungs-CD.
Desweiteren führen wir ein Forschungs-Archiv mit zur Zeit über 120.000 Bildern, in dem sich die Fehlerbestätigungen für die Forschungs-CD (Bestätigungsarchiv) und neuentdeckte Markenfehler (Sucharchiv) aus diversen Informationsquellen befinden, siehe nachfolgende Abbildung 2. Hinzu kommt noch ein Bogenarchiv mit aktuell über 12000 verschiedene Bogenscans.
Abb. 2: Informationsquellen für die Arbeit der Forschungsgemeinschaft
Wenn nun ein neuer Markenfehler gefunden wurde, schauen wir zunächst im internen Archiv (Sucharchiv und Bogenarchiv) nach, ob uns eventuell weitere Exemplare vorliegen. Wenn ja, erfolgt ggf. eine Aufnahme in die Forschungs-CD. Wenn nein, verbleiben diese im Such-Archiv, bis ein Sammler ein weiteres Stück vorlegt.
Sind nun von den Forschungs-CD-Fehlern dann genügend weitere Bestätigungen und Informationen zusammen-gekommen, kann eine solche Neuvorstellung, nach einer abschließenden Archivauswertung und einem bestimmten Punktesystem – siehe Kapitel 1. 3, als Plattenfehler in unseren PLF-Katalog aufgenommen werden. Voraussetzung hierfür ist aber auch eine augenfreundlichen Größe des Plattenfehlers, über die ein Forschungsgremium entscheidet. Sollte der Plattenfehler sich als zu klein erweisen, verbleibt er auf der Forschungs-CD in einem Extra-Ordner ''Kleine Plattenfehler''. Zurzeit sind dort 135 kleine Plattenfehler enthalten.
Sobald sich der Markenfehler von der Forschungs-CD durch die vorgenannte Forschung als Plattenfehler herausgestellt hat und als groß genug in den PF-Katalog aufgenommen wurde, wird er bei der nächsten Forschungs-CD herausgenommen. Dies deshalb weil es sich um eine Forschungs-CD und keine Plattenfehler-CD handelt.
1.1 systematische Archivierung
Die eingehenden Bilder von einzelnen Fehler-Neuvorstellungen und Fehlern auf CD werden im Archiv gesammelt und nach Jahrgängen und Nummern archiviert.
Generell wird bei den Neuvorstellungen und CD-Fehlern immer von einer Druckzufälligkeit ausgegangen. Dies zu erwähnen ist uns wichtig, da diese Druckzufälligkeiten insbesondere bei eBay und Delcampe oftmals unseriös als Plattenfehler verkauft werden.
Gesammelt werden die Markenfehlerbilder aus den oben genannten Informationsquellen, wie aus der Abb. 2 ersichtlich. Diese Bilder werden ausschließlich für Forschungszwecke intern gespeichert und ausgewertet – siehe Abb. 3 bis Abb. 8.
Abb. 3 sytematischer Aufbau des Fehlerarchivs nach Jahrgängen, Michel-Nummern und (sofern schon bekannt) nach Feld-Nummern
1.2 Spezielle Kriterien für die Archivierung
Bei der Archivierung werden verschiedene Zusatzinformationen erfasst, hier am Beispiel der 360 I.
Abb. 4 Informationen zu den nachgewiesenen Einzelexemplare
1.2.1 Erhaltungsgrad als Kriterium für die Archivierung
Das wichtigste Kriterium ist hierbei der Erhaltungsgrad. Die Erhaltungsgrade werden unterteilt in postfrisch, philatelistische Stempel = Bogensonderstempel (BSST) und Bogenstempel (BST), philatelistische Belege, Bedarfs-Stempel, Versandstellen-FDC und Bedarfs-FDC. Sofern erkennbar, werden bei den Bedarfsexemplaren der Ort bzw. das Postamt und das Datum registriert.
Abb. 5 Archivierung nach dem Erhaltungsgrad (Beispiel Mi-Nr. Bl 12 IV )
1.2.2 Wasserzeichen-Variante als Kriterium für die Archivierung
Bei Sondermarken bis 1966 wird zusätzlich die Wasserzeichen-Variante erfasst. Registriert werden bessere Wasserzeichen nur, wenn die entsprechenden Exemplare geprüft vorliegen oder uns im Original vorgelegen habe. Bei ungeprüften Marken und Belegen wird stets von der billigsten Wasserzeichen-Variante ausgegangen.
Abb. 6 Archivierung nach dem Wasserzeichen (Beispiel Mi-Nr. 358 F42 WZ 2XI und 2XII)
1.2.3 Farb-Varianten als Kriterium für die Archivierung
Bei den Ausgaben "250 Jahre Akademie der Wissenschaften" (Mi-Nr. 266), "750 Jahre Mansfelder Kupfer-schieferbergbau" (Mi.Nr. 273) und "Internationale Friedensfahrt 1956" (Mi-Nr. 521) werden BPP-geprüfte bessere Farben registriert. Bei ungeprüften Stücken wird von der billigsten Farbe ausgegangen.
Abb. 7 Archivierung nach Farben ( Beispiel Mi-Nr. 273 a F15 und 273 b F15
1.2.4 Archivierung von Bogenteilen und Bögen
Unser Bogenarchiv umfasst aktuell über 12.000 verschiedene DDR-Briefmarkenbögen.
Hieraus können vor allem Erkenntnisse bzgl. Feldnummern und Bogenformen gewonnen werden. Für die Bestimmung archivieren wir Randeinheiten, größere Bogenteile und ganze Bögen.
Die Kenntnis der Feldnummer und der Bogenform, bei der ein bestimmter Fehler auftritt, ist aus unserer Sicht wichtig, für die spätere Nachprüfbarkeit und ggf. zur Unterscheidung, ob ein PLF, Feldmerkmal oder eine Druckzufälligkeit vorliegt.
Darüber hinaus gibt es manchmal ähnlich aussehende Fehler auf unterschiedlichen Bogenfeldern, die von Sammlern verwechselt werden können. Als Beispiel kann hier die Mi-Nr. 625 I dienen. Dieser Fehler auf Feld 7 wird selbst von Auktionsfirmen öfters mit einem ähnlichen Fehler auf Feld 21 verwechselt.
Auch Teilauflagen und Neuauflagen lassen sich so feststellen, z. B. anhand von unterschiedlichen
Bogenrand-Merkmalen.
Zudem ist das Bogenarchiv eine Quelle, um bei neu auftauchenden Fehlern eine Abgleichmöglichkeit bei der Feld- und Bogensuche zu haben.
Nicht zuletzt lassen sich aus einer genauen Feld- und Bogenermittlung auch Aussagen über die nominale Häufigkeit und damit den Wert eines Plattenfehlers machen. Es ist für den Wert eines PLF nämlich schon entscheidend, ob dieser auf jeder Bogenform oder z. B. nur auf jeder vierten Bogenform auftritt.
Abb. 8 Feldbestimmung mithilfe von Bogenteilen und kompletten Bögen
1.3 Auswertung des Archivs, Punktebewertung und Katalogisierung
Die archivierten Fehler werden mit einem grob darstellten Punktesystem, entsprechend den vorliegenden Erhaltungsgraden und Varianten bewertet. Wird eine Mindestpunktzahl erreicht, kann eine Aufnahme in den Plattenfehlerkatalog erfolgen - siehe Abb. 8.
| ** | Bedarf-ST | amtl.Bogen-ST | amtl. Bogen-SST | amtl. FDC |
WZ-Variante |
Farb-Variante | Mindestpunktzahl |
|
1
|
1,5 | 1X 2 1) | 1X 2 1) | 1X 2 | 2 | 2 | über 20 |
Abb. 9 Tabelle Punktesystem
Erläuterungen zur Tabelle Abb. 9 :
Bei den ** Erhaltungsgraden werden Punkte nur berücksichtigt (z. B. an Zentrierung und Farbgebung erkennbar), wenn die Marken nicht aus der gleichen Bogentasche stammen. Bei den amtlichen Bogenstempeln 1) , Erzeugnissen und FDCs (Bogen-ST und Bogen-SST), Farb- und WZ-Varianten werden nur einmal zwei Punkte berechnet. Wenn es allerdings bei den philatelistischen Stempeln unterschiedliche Motiv- bzw. Ortsstempel gibt, werden diese ebenfalls mit zwei Punkten gerechnet. Auch wird nochmal zwischen gedruckten Bogenstempeln und Bogen-Handstempeln unterschieden. Bei den Bedarfs-Ortsstempeln werden jeweils 1,5 Punkte gezählt, wenn es sich um unterschiedliche Orte handelt.
Wir haben uns für dieses Punktesystem entschieden, weil es für die Einschätzung, ob PLF oder DZF, es sehr wichtig ist, möglichst viele unterschiedliche Herkunftsquellen zu haben. Auch ist für uns ein entscheidendes Kriterium, dass für die Plattenfehlerbestimmung unbedingt das betreffende Feld vorliegen muss. Zudem schauen wir darauf, ob sich ggf. am Fehler-Bild anhand der Bilder etwas verändert, was dann eher für eine DZF (z. B. Butze) spricht.
Wird die Mindestpunktzahl nicht erreicht, erfolgt vorerst keine Aufnahme in den Plattenfehlerkatalog. Für die Suche nach weiteren Exemplaren erscheinen deshalb periodisch die Forschungs-CDs mit diesen Fehlern, um mit Hilfe interessierter Sammler, weitere Informationen und Bestätigungen zu erhalten.
1) H.-J. Schönherr: "Amtliche Entwertungen für philatelistische Zwecke" Schriftenreihe zum Sammelgebiet DDR, Heft 5, Leipzig, 2002, unveränderte Auflage
2. Überprüfung katalogisierter Plattenfehler
Ebenso ist die Überprüfung bereits katalogisierter Plattenfehler Bestandteil unserer Forschungsarbeit. Ziel ist hier ggf. die Korrektur von Katalogaufnahmen zurückliegender Jahre, wenn nach neuen aktuellen Erkenntnissen es sich bei einem aufgenommenen vermeintlichen Plattenfehler, doch um eine Druckzufälligkeit handelt. Ein wichtiges Kriterium der Überprüfung ist neben dem Druckverfahren, die Markthäufigkeit von bereits katalogisierten Plattenfehlern. Insbesondere sollte man wachsam sein, wenn bei einem PLF keine Feld- u. Bogenangaben vorliegen.
3. Resümee mit der Fragestellung, wie gehen wir zukünftig mit der Auswahl und den Druckzufälligkeiten in unserem PLF-Katalog um ?
Unabhängig von anderen Katalogherstellern haben wir beschlossen, keine Druckzufälligkeiten mehr in unseren PLF-Katalogen aufzunehmen.
Aus unserer Sicht muss zwischen Plattenfehler (PLF) und Druckzufälligkeit (DZF) eine klare Trennlinie gezogen werden. Schon auf der Forschungs-CD befinden sich bereits über 5.000 Kandidaten, die zum größten Teil Druckzufälligkeiten sein dürften. Im Marken-Archiv haben wir weitere ca. 100.000 Exemplare von Fehlern, wo eine Unterscheidung PLF oder DZF nach bestimmten Kriterien getroffen werden muss. Das sind wir den PLF-Sammlern auch schuldig, denn unser Sammelgebiet heißt Plattenfehler und nicht Druckzufälligkeiten oder beides. Und diese Forschung kostet eben Zeit und Arbeit.
Wenn wir beides, nämlich Plattenfehler und Druckzufälligkeit, vermischen, gäbe es sicher an die 100.000 Markenfehler alleine von den DDR-Sondermarken. Nimmt man noch die Kleinstfehler hinzu, kämen wir sicherlich leicht auf die Anzahl von 1.000.000 Markenfehlern. Und dann braucht auch nicht mehr geforscht zu werden. Dieses Sammelgebiet Plattenfehler wäre aus unserer Sicht dann nicht mehr seriös, insbesondere wenn man diese Druckzufälligkeiten auch noch bewertet.
Natürlich werden auch wir in unseren Katalogen einmal eine Druckzufälligkeit fälschlicherweise als PLF katalogisiert haben. Aber das werden wir, wenn neue Erkenntnisse hinzukommen, dann entsprechend korrigieren. Und was die Größe der Plattenfehler angeht, wird auch dies nochmal über unser Gremium geprüft, wenn z. B. durch Sammlerrückmeldungen ein Plattenfehler als zu klein gemeldet wird.
Thomas Schrage, Dirk Rodeheger und Dieter Rosenkranz (Verfasser des Beitrags)
Forschungsgemeinschaft für DDR Plattenfehler